Bundesländer Krimi im ORF

DER TOTE AM TEICH. Buch: Susanne Freund. ORF, 2015.

Von Clara Gallistl

Mir hat das Konzept von Bundesländer-Krimis, die auch gezielt mit Teams aus den jeweiligen Ländern arbeiten, von Anfang an gut gefallen. Jetzt hab ich mir gemeinsam während meines Großmutterbesuchs den ersten Film der Reihe in klassischer Fernsehsituation angesehen: mit Zeit für Harmonie-Tee, Decke über den Beinen, kleinen Lampen in den Ecken des warmen Zimmers, Teppich am Boden, Bild an der Wand, Fernseher auf Holztischerl in der Ecke. Fernsehen als sozialer Ort der Entspannung, des Heimatgefühls, der Familie. Das hat für mich an diesem Abend tadellos funktioniert.

Gewusst, dass ich über den Toten am Teich schreiben will, habe ich an diesem Punkt im Film:

Jetzt hat die junge Polizistin (Miriam Fussenegger) versehentlich dem schirchen Perchten einen Zahn ausgeschlagen, weil sie sich gefürchtet hat. Davor hat schon die Hauptkommissarin (Maria Hofstätter) die Perchten einfach mit Lachen begrüßt und ist zwischen ihnen durch- und weitergegangen.

Das Dorfleben wird praktisch von Frauen bespielt. Die Männer sitzen gemeinsam am Ecktisch im Dorfwirtshaus, trinken Bier und schauen debil vor sich hin. Der ehemalige Postbeamte richtet der Hauptkommissarin in einem Leerstand eine Polizeistation ein. In Einrichtungsfragen kommt er immer wieder auf seine Frau zu sprechen und zwar mit den einleitenden Worten:

“P’frau hot g’sogt…”

oder

“P’frau hot g’mannt…”

Wie zurückhaltend Josef Hader (ein Ex-Polizist, der ein bisschen mitermittelt, obwohl er privat in alles involviert ist) neben Hofstätter spielt, wie gut Erni Mangold (als seine Mutter) mit Hader harmoniert. Wie unaufdringlich Hofstätter sich neben ihrer weniger bekannten Polizeipartnerin verhält. Das Ensemble scheint wirklich Spaß am Spiel zu haben. Es ist eine Freude, da zuzusehen.

Das Oberösterreichische wird hier dargestellt, nicht ausgestellt. Sympathisch, humorvoll und trotzdem kritisch zeigt das Buch eine Dorfgemeinschaft, die ich als Oberösterreicherin als oberösterreichisch identifiziere. Authentisch und auf hohem Niveau das Schauspiel der Protagonist_innen. So soll österreichisches Fernsehen. Ich hatte einen schönen Fernsehabend!

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