#theaterimnetz – Aber wie?

Ich muss zugeben: Bloggen ist Neuland für mich und ich sehe meinen Blog eher als online Portfolio, das Einblick in meine Art gibt, Theater zu sehen und zu machen. Über den Aufruf, sich an der Blogparade #theaterimnetz zu beteiligen, freue ich mich sehr. Seit ich vor ein paar Monaten mit diesem Blog begonnen habe, suche ich nach anderen Theaterblogger_innen, finde aber keine.

Meine Theaterwelt liegt in Wien. Hier finden sich online Präsenzen der großen Häuser. Es gibt auch Apps, die im Wesentlichen die Inhalte der Homepages wiedergeben. Facebook-Posts und Twitter-Beiträge von Theaterhäusern haben sich schnell wieder aus meiner Aufmerksamkeit verabschiedet, weil es sich vor allem um Werbung für Veranstaltungen handelt und ich ohnehin über die Spielpläne informiert bin. Die Kommunikationsqualität sozialer Medien liegt ja vor allem in ihrer Möglichkeit schnell auf aktuelle Dinge zu reagieren. Da kommt mir das Herunterbeten von Spielplänen, die seit Monaten feststehen, wie vergebene Liebesmüh vor. Postet doch zumindest manchmal ein interessantes Zitat, das auf einer Probe gefallen ist, oder einen kurzen Text, der eine_r/m Dramaturg_en/in auf der Brust lag. Zugänglichkeit erhöhen, Einblick gewähren. Das würde mich interessieren.

callisti1010 ist für mich ein Mut-Projekt. Die Art, in der wir im deutschsprachigen Raum über Theater sprechen, ist sehr formalisiert. Man muss entweder Geisteswissenschaften studiert haben oder sich der Meinung der Kritikerin_des Kritikers fraglos ergeben, wenn man an der öffentlichen Diskussion über Theater Teil haben will. Der Schreibstil meines Blogs ist das Produkt meiner kritischen Haltung zum Elfenbeinturm der Geisteswissenschaften und der geförderten Emanzipation naiver, subjektiver Wahrnehmung wie ich sie in den Gender Studies erlebt habe. Was ich hier versuche ist nicht mehr und nicht weniger, als meinen (geprägten, subjektiven, naiven) Blick auf ein Bühnengeschehen zu beschreiben und mittels der mir verfügbaren Denk-Werkzeuge zu reflektieren. Dazu gehört für mich Mut und ich hätte nie zu veröffentlichen begonnen, hätte mich nicht eine Dramaturginnenfreundin, eine eindeutige emotionale Reaktion auf ein Stück und ein paar Gläser Rotwein ermutigt.

Mittlerweile erhalte ich viel stilles Feedback. Das heißt: in privaten Nachrichten und nicht in öffentlichen Repostings oder Kommentaren. Bestätigung gibt mir die Diversität der Richtungen aus denen die positiven Reaktionen kommen. Ein alter Bekannter, der nie ins Theater geht und sich auch sonst nicht sonderlich für Kunst/Kultur interessiert, möchte nachdem er regelmäßig meine Texte über Theater liest einmal mit mir in eine Vorstellung gehen, um zu prüfen „ob ich dasselbe sehe wie du, wenn wir dasselbe sehen“. Gleichzeitig treffe ich Regiesseur_innen, Schauspieler_innen und Dramaturg_innen, die meine Kritiken gerne lesen, weil sie die Detailgenauigkeit anstelle leerer kulturjournalistischer Rezensions-Phrasen schätzen. Schauspieler Steffen Link vom Schauspielhaus Wien hat mich sogar nach meiner Kritik von Tomas Schweigens Punk&Politik zu einem Gespräch eingeladen, auf das ich mich sehr freue. Ich hatte während der Vorstellung viele Fragen zur Inszenierung, die sich bis zum Ende nicht beantworten ließen. Mit einem grundlegenden Gefühl der ablehnenden Irritation bin ich aus dem Theater gegangen. Die Einladung hat mein großes Interesse an weiterer Auseinandersetzung mit der neuen Ästhetik (Es handelte sich um Schweigens Premiere am neu übernommenen Haus.) unterstützt und ich bin gespannt, wie meine Fragen zum Stück aufgenommen werden.

Schade finde ich, dass das Netzwerk unter Theaterblogger_innen schwach ist. Oder habe ich es nicht gefunden? Wo sind denn die Theaterblogger_innen, in Wien, im deutschsprachigen Raum, in Europa, international? Ich spüre eine Sehnsucht, mich über Wahrnehmung von Theater auszutauschen. Zur internationalen Konferenz würde ich gerne einladen und/oder sehr gerne kommen.

Vielleicht wird jetzt alles anders! Meine kleine Hoffnung liegt hier: Im Blogpost zur Blogparade #theaterimnetz.

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8 Gedanken zu „#theaterimnetz – Aber wie?

  1. Hallo, der Artikel gefällt mir auf Anhieb. Ja, eigentlich sollte es das geben, aber private Theaterkritik gibt es eher selten. Als Teilnehmer eines Marketingclubs der Bürgerbühne des Nationaltheater Mannheim http://blog.nationaltheater-mannheim.de/?cat=5 war ich stundenlang unterwegs und suchte Theaterblogs, vor allem in der Region, und fand keine. Es gibt, wie ich in meinem Blog (siehe Menüpunkt Theater), wohl Menschen, die über Theater bloggen, aber eben nicht nur. Wenn man sich die Postings dieser Blogparade ansieht und reflektiert, dann merkt man schnell, dass die „Mono-Themen-Blogs“ wohl auch eher Nische sind und bleiben. Wir sind eben fast alle sehr vielseitig interessiert. Ich habe mir zum Spass angewöhnt tatsächlich direkt nach dem Theater „Twittkritik“ auf Twitter zu posten. 3, 4 Tweets als kurzer Eindruck. Manchmal erhalte ich sogar Antworten. Was ich sagen will, so als Tipp: Über den Tellerrand schauen und einfach nach Wiener Blogs suchen, die sich allgemein auch mit Kultur befassen! 🙂

    Zu eher pürofessionellen Theaterblogs gibt es einen recht informativen Post auf nachtkritik.de (Sind ja auch auf Wiener Bühnen zu Hause) http://nachtkritik.de/index.php?view=article&id=8040:theaterblogs&option=com_content&Itemid=83

    LG und man liest sich..:)

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    1. Lieber Mikel,

      vielen Dank für dein Kommentar und den Link. Seit ich den Artikel veröffentlicht habe, hat sich einiges „über den Tellerrand schauen“ getan und ich werde demnächst verschiedene Wiener Blogger_innen zu einem gemeinsamen Theaterbesuch einladen. Bin schon gespannt, ob und wieviel Interesse da besteht. Twitterkritik habe ich sogar einmal direkt aus dem Theater probiert: https://callisti1010.com/2016/03/02/twitter-kritik-dunkelstein-im-nestroyhofhamakom/ Das werde ich allerdings nicht mehr machen 🙂 Ein Schauspieler meinte danach in einem Gespräch mal, dass er von der Bühne aus die Helligkeit des Bildschirms gesehen hat.. War ein Experiment, das ich nicht wiederholen werde 🙂

      Alles Liebe,
      Clara

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  2. liebe clara,
    vielen dank für deinen beitrag zu unserer blogparade.
    gut, dass du hier dinge einforderst, das tun wir insgesamt zu wenig, formulierungen unsere wünsche oft zu zögerlich. auch ich hoffe sehr, dass es in den sozialen netzwerken zu einem regeren austausch unter theaterschaffenden und zuschauern kommt.
    ich werde mich in kürze mal ausführlich mit deinem blog beschäftigen.
    bei meinem nächsten wien-besuch hoffe ich auf eine melange mit dir!
    herzliche grüße und nochmals danke,
    marc

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  3. Liebe Clara,
    ich bin jetzt erst freudig über deinen Blog gestolpert. Ich finde auch, dass es in der Wiener Theaterwelt dringend frische Zugänge, neue Blicke, andere Stimmen und Formen des Austausches braucht!
    Wenn du mit diesem frischen Blick spontan morgen die Generalprobe von theatercombinat (http://www.tqw.at/en/events/ideal-paradise-clash) beobachten magst, gib Bescheid! Wir würden uns in jedem Fall über einen Austausch freuen!

    Herzliche Grüße,
    Anna

    Gefällt 1 Person

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