Zwei Liebende, zwei Schriftstellerinnen. Ein Briefwechsel.

England. Zwei Frauen in der Zwischenkriegszeit. Die gemeinsame Geschichte von Virginia Wolf und Vita Sackville-West erzählt von Literatur, Liebe und den Geistern der Zeit. Der Briefwechsel der beiden Schriftstellerinnen wurde von Thomas Perle mit feinem Gespür für die intime Bühne übersetzt.
“Vita & Virginia” – Arena Bar Varieté Wien – 23. April 2016 [rezenion]

VitaVirginia

nächste Termine: 25.4., 27.4. Kreuzberg Café & Theaterbar, Neustiftgasse 103, 1070 Wien – je 20 Uhr.


Ich pilgere eine Zeit im 5. Bezirk herum, bevor ich auf der Margaretenstraße das Etablissement finde, in dem Denise Teipel und Cristina Maria Ablingers “Vita & Virginia” stattfinden wird. Die Fotos aus der Presseaussendung haben mich begeistert und ich möchte sehen, wie die beiden einen Briefwechsel szenisch umsetzen. Ich erinnere mich an den neuen Film von Ruth Beckermann – “Die Geträumten” (AUT, 2016), in dem Anja Plaschg und Laurence Rupp sich gegenseitig aus den Briefen von Ingeborg Bachmann und Paul Celan vorlesen. Auch vor dem Film hatte ich mir nicht vorstellen können, wie und ob die Unternehmung als darstellendes Kunstwerk funktioniert – ob man das nicht selbst lesen muss.

Zweimal muss ich die Adresse checken, bevor ich das Varieté Arena Bar betrete. In diesem Tschecherl spielen die heut Theater? Als ich den Raum betrete, fallen mir die Augen fast aus dem Kopf: Hinter dem Barraum mit Juke-Box und großer, kreisrunder Bar befindet sich ein mit rotem Samt ausgestatteter Mini-Bühnen-Raum, der vielleicht 20 Personen auf goldenen Stühlen Platz nehmen lässt.

Der Raum strahlt vor Intimität noch bevor eine der Darstellerinnen die Bühne betreten hat.

Auf dem kleinen Tisch auf der Bühne stehen ein paar Bücher, eine Feder und andere kleine, ausgewählte Requisiten. Zwei Stühle stehen bereit, da treten die Darstellerinnen auf und lassen sich erst einmal vom Publikum betrachten. Vita: groß, elegant, schön, charismatisch. Virginia: zurückhaltend, in sich gekehrt, mit skeptischem Blick. Ein gutes Paar steht da vor mit, denk ich, von denen lass ich mir gern was erzählen. Und sie erzählen!

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In einer knappen Stunde verdichtet die Textversion des Abends schriftstellerische Positionen und Gegenpositionen, Ähnlichkeiten zwischen den beiden charakterstarken Frauen und unterschiedliche Meinungen über Lebensentscheidungen, eine zarte Erzählung lesbischer Liebe und nicht zuletzt die politische Situation Europas. Lustvoll erlebbar ist das Hin-und-Her, das zwischen hoher Literatur und profanem Begehren mäandert, dank der Inszenierung von Thomas Perle.

Erstaunlich, wie wenig andere Mittel nötig sind, wenn die schauspielerische Leistung den Spannungsbogen hält.

Verliebt habe ich mich in die Liebe der beiden. Aber auch in die beiden Frauen, jede einzeln und als Paar. Ich hätte Denise Teipel und Cristina Maria Ablinger auch noch eine weitere Stunde zusehen mögen. Feine Emotionen spielen sich in den Mimiken und Gesten der beiden Schauspielerinnen ab und fügen sich in Perles Inszenierung zu einem perfekten Abend zusammen. Nichts zu wünschen übrig, aber allerlei zum weiterträumen!

Gönnen Sie sich diesen Abend!


Eileen Atkins „VITA & VIRGINIA“. Nach Briefen und Tagebüchern von Virginia Woolf und Vita Sackville-West. Deutsch von Friederike Roth
25.4., 27.4. Kreuzberg Café & Theaterbar, Neustiftgasse 103, 1070 Wien
Beginn: 20 Uhr, Tickets: 15 € (regulär) / 12 € (ermäßigt)
Kartenreseriverung unter: verein.spielbar@gmail.com oder +43 650 2632710

Regie: Thomas Perle
Schauspiel: Denise Teipel, Cristina Maria Ablinger
Verein SpielBAR
Produktionsfoto: (c) Daniel Wolf
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