Johanna mit dem Löwenherz.

Jeanne d’Arc, Johanna, eine geschichtliche Figur aus dem 13. Jahrhundert – Bauernmädchen, Christin, Kämpferin und Frau, die in der männer-dominierten Welt des Mittelalters mutig für ihre Prinzipien einsteht. Als literarische Figur bearbeitet  u.a. von Voltaire, Anna Seghers und jetzt frei interpretiert von Christian Himmelbauer. Ich war bei der Premiere von „Johanna. Eine Passion“ im TAG.

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Das Stück beginnt minimalistisch mit blockartigen Elementen auf der Bühne. Doch hätte ich mich weiter nicht täuschen können. Als zentrales Element sehen wir als ZuschauerInnen Johannas Befragung durch die Inquisition, in der sie von kirchlich-englischer Seite zu ihren größten Heldentaten für Frankreich befragt wird. Die Mephisto-artigen Figuren Ole (Jens Claßen), Sören (Raphael Nicolas) und Lars (Georg Schubert) befragen Johanna (Lisa Schrammel) und dabei wechselt immer wieder der Ort des Geschehens. Ob in der Hölle (in der auch Mönche verweilen) oder einer Talkshow – Johanna wird in lustig-beunruhigender Atmosphäre befragt.

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Ole, Sören und Lars zeigen die patriarchalische Gesellschaft des 13. Jahrhunderts, die einem einfachen Bauernmädchen keine kriegerischen Heldentaten zugesteht. Johanna entspricht nicht dem Bild, das man von Frauen hat. Auf der Anklageliste stehen Aberglaube, Wahrsagerei und – das Tragen von Männerkleidung.

„Warum trägst du Männerkleidung, Johanna?“

Dieser Satz wird wohl am öftesten wiederholt. Ist das eine belanglose Frage oder steckt dahinter eine Obsession mit dem weiblichen Aussehen, frage ich mich. Eine Frau, die von Männern definierte Gender-Grenzen überschreitet, wird ausgegrenzt. Ihr wird  unterstellt, sie sei psychisch krank – schizophren oder – gar keine richtige Frau. Dies lässt an andere patriarchale Praktiken des Ausschlusses von Frauen, wie der „Diagsnostizierung“ der Hysterie bei Frauen im 19. Jahrhundert zurückdenken. Wer bestimmt denn letztendlich, wie eine „richtige“ Frau ist?, frage ich mich.

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Für die Wechsel des Geschehens werden eine Reihe theatraler Mittel eingesetzt. Eine Discokugel für die Talkshow, bunte Lichter, dramatische Musik und Live-Kamera – also nein, „Johanna. Eine Passion“ ist nicht minismalistisch und das ist gut so. So wird gezeigt: Folter auf zig Arten. Johanna bleibt trotzdem sich selbst und ihrem Glauben treu.

Kurz vor dem Ende bricht Johanna dann doch zusammen. Sie gibt alles zu, was man von ihr hören will, zieht schluchzend Minirock, High Heels und rote Bluse an. Sie beugt sich als Frau der männlich-dominierten Gesellschaft. Doch das Stück geht weiter. Sie befreit sich von dieser Zwangweste aka Minirock und High Heels, denn das ist sie nicht. Am Ende sehen wir, wie Ole, Sören und Lars durch ein Gas ersticken. Johanna sieht zu. Im Hintergrund läuft ein Lied mit den Worten:

„My body is a cage and a man holds the key to it.“

Während sie von der französischen Seite geehrt wurde, konnte sie die englische Seite auch durch ihren Tod nicht zerstören, denn ihr Erbe lebt durch die Literatur und das Theater bis heute.

Fazit: Ein feministisches Manifest, das Jeanne d’Arc, für ihren Mut ehrt – schauspielerisch sehr gut umgesetzt.

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JOHANNA. EINE PASSION.
Text und Regie: Christian Himmelbauer
Ausstattung: Alexandra Burgstaller
Dramaturgie: Tina Clausen
Regieassistenz: Renate Vavera
Kostümmitarbeit: Daniela Zivic
Maske: Beate Lentsch-Bayerl
Video: Andreas Wiesbauer
Licht: Hans Egger
Technik: Andreas Nehr, Frank Fetzer
Premiere am 8. November 2017
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Fotos: (c) Georg Mayer

 

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