Hämmer schlagen, bis kein Stein mehr auf dem andern bleibt — „Concord Floral“ im Volx/Margareten

Handylichter funkeln. Eine Gruppe Jugendlicher dringt leise in ein verlassenes Gewächshaus ein und stoßen dort auf die Leiche eines Mädchens.

Eigentlich sollten die Schulfreunde ein Gruppenreferat vorbereiten. Doch stattdessen schleichen sie nachts nach Concord Floral. Ein kleines Paradies aus Stahl und Glas, voll wilder Rosen, Graffiti und zerbrochenen Bierflaschen. Dort können sie alles tun, was sonst ihnen nicht erlaubt ist: Feuer machen, rauchen, Alkohol trinken und Sex haben. Nach dem Fund laufen Nini (Alexandra Schmidt) und Rosa (Ida Golda) nach Hause und lassen ein gefallenes Handy liegen.

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Die zwei Freundinnen simsen miteinander bis spät in die Nacht. Plötzlich läutet das Telefon. Von der verloren gegangenen Handynummer ruft der Geist des toten Mädchens an, um seine Geschichte zu erzählen. Doch nicht allein die Anwesenheit des Geistes verursacht Angst und Schrecken unter den Jugendlichen. Seine Erscheinung deckt allmählich die Gruppendynamik der Jugendlichen auf: von Narzissmus und Social Media Sucht bis stille Behandlung, soziale Isolation und Schikane. “Concord Floral” erzählt mit den Mitteln einer Horror-Story vom Reflexionsprozess zweier junger Frauen. Dabei stellt sich die Frage: Was ist furchteinflößender: der Geist einer Toten oder die brutalen Konsequenzen jugendlichen Mobbings?

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Eine fette weiße Mauer durchquert die Bühne. Die jungen Schauspieler_innen klettern über sie, um die Bühne zu betreten und zu verlassen. Die Mauer trennt die Teenager von den Normen der Außenwelt. Sie gewährt ihnen Freiheit und dadurch auch Verantwortung für ihre eigenen Taten. Zwischen Szenen tönt laute dissonante Musik und die Jugendlichen fangen an, zu brüllen, mit Hämmern zu toben und herausgeschlagene Steine zu werfen, als wollten sie alles um sich zerstören. Diese Ausbrüche von Lärm und Wut kamen mir gleichzeitig übertrieben und authentisch vor. Sie erinnerten mich an die Beklemmung, die ich während des Heranwachsens und des Selbsterkennens fühlte und nie völlig äußern konnte.

Fazit: Eine erfrischende Inszenierung mit jungen Schauspieler_innen, die durch eine Schauergeschichte jugendliche Erfahrungswelten erkundet. Achtung: Sehr laut!


CONCORD FLORAL
von Jordan Tannahill
Deutsch von Frank Weigand

Regie: Simon Windisch
Bühne und Kostüme: Leonie Bramberger
Musik: Robert Lepenik
Dramaturgie: Michael Isenberg
mit Jasmin Bettstein, Ida Golda, Larissa Kiers, Florian Klingler, Sophie Kraft, Flora Mayrhofer, Merlin Miglinci, Sarah Pritchard-Smith, Paul Ruttkovsky, Alexandra Schmidt.
Fotos: © Alexi Pelekanos / Volkstheater

 

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5 Gedanken zu „Hämmer schlagen, bis kein Stein mehr auf dem andern bleibt — „Concord Floral“ im Volx/Margareten

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