„Wir wollten immer schon mal ein Stück machen, in dem wir Männer spielen.“ Cristina Ablinger und Denise Teipel über „Emigranten“

Cristina Ablinger und Denise Teipel sind EMIGRANTEN. Warum das nicht so komisch ist, wie es klingt, erzählen Sie im Interview.

So kann ein Montag ausklingen: Clara Gallistl und Pablo San Martín von Neue Wiener treffen die beiden Schauspielerinnen Cristina Ablinger und Denise Teipel im Aida auf der Wiedner Hauptstraße – kurz vor Ladenschluss. Bei Sachertorte und Melange erzählt das Dreamteam von ihrer aktuellen Theatertournee und, warum der Stücktitel eben nicht gegendert ist.

Neues Wiener Theater
Warum habt ihr das Stück “Emigranten” ausgewählt?

Cristina Ablinger
Unsere Regisseurin, Agnieszka Salamon, ist mit dem Stück  auf uns zugekommen. Sie hatte bereits seit Längerem geplant, dieses Stück, das eigentlich für zwei Männer konzipiert ist, mit zwei Frauen zu besetzen. Sie war der Ansicht, dass es im Kontext vollkommen gleichgültig ist, ob die Figuren männlich oder weiblich sind. Denise und ich haben das Stück gelesen und uns sofort verliebt.

Denise Teipel
Es war eines dieser Stücke, die man sofort verschlingt. Ich habe beim ersten Lesen geweint und gelacht und das was für mich ein Zeichen, dass irgendetwas dran lebt. Im ersten Gespräch war klar, es hat uns beide voll mitgerissen. Und somit war entschieden, dass wir “Emigranten” machen wollen. Dazu kommt, dass wir immer schon mal ein Stück machen wollten, in dem wir Männer spielen.

Neues Wiener Theater
Was ist das Besondere an dem Zugang, wenn man als Frau Männer spielt?

Denise Teipel
Was den beiden Figuren im Stück geschieht, ist unabhängig von Geschlecht. Dazu kommen gewisse geschlechtsspezifische Aufgaben, die die Figuren erfüllen beziehungsweise denken, erfüllen zu müssen. Die Figuren müssen Geld verdienen, für die Familie sorgen, das Geld nachhause schicken. Sie vermissen Ihre Familie im Heimatland. Ich bin beim Lesen ganz erstaunt gewesen, wie egal Geschlecht da eigentlich ist.

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Neues Wiener Theater
Trotzdem habt ihr entschieden, im Dirndl-Kleid zu spielen.

Denise Teipel
Das war eine bewusste Entscheidung von Agnieszka. Anfangs war das ein Schock für uns. Bei der zweiten Probe sagte sie plötzlich: “Mädels, wir spielen es in Dirndl.” Wir dachten zuerst, wir würden mit großen Anzügen spielen. Aber wir machen genau das Gegenteil: weiblich angezogen, mit High-Heels, Locken und Dirndl. Das macht eine ganz besondere Spannung aus. Im Text steckt auch viel männliches sexy bragging. Das kommt natürlich ganz anders, wenn man das im Dirndl macht.

Cristina Ablinger
An Text und Titel haben wir nichts verändert. Nur etwas gekürzt. Das war dem Autor auch sehr wichtig.

Neues Wiener Theater
Die Premiere war in Wien im brick 5. Jetzt spielt ihr in Salzburg und St. Pölten. Wie führt euch der Weg dorthin?

Denise Teipel
Wir freuen uns sehr, dass wir das Stück aus Wien rausbringen dürfen. Zu Salzburg und St. Pölten haben wir eine hohe Affinität. Ich habe an der FH St. Pölten studiert bevor ich Schauspielerin geworden bin und tatsächlich 1,5 Jahre in der Kremserstraße gelebt. Da freut man sich natürlich sehr, wieder zurück zu kommen

Cristina Ablinger
Und Salzburg ist meine Heimatstadt. Ich bin dort aufgewachsen, aber lustigerweise bis vor Kurzem nie als Profi auf einer Salzburger Bühne gestanden. Und ich finde, das Stück passt genau jetzt super dorthin.

Neues Wiener Theater
Dann viel Spaß! Und vielen Dank!


Fotos: Daniel Wolf
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