Es blümelt, oder: Die Phantasmagorie eines Ministers

Die Figuren befinden sich in einem Echoraum, einem sterilen Referenzrahmen, einem Kaleidoskop, in dem mehrere Tatbestände aneinandergereiht werden und anhand von globalen Positionierungsdaten (als Breiten und Längengrade an die Rückwand projiziert) eine Kartografie zeichnen. Sie bilden ein Stimmengeflecht das als Ausgangspunkt den Mord von Tyler Hadley an seinen Eltern in Port St. Lucie, Florida in 2011 nimmt. Die Gruppe zieht weiter in die Türkei, wo Nevin Yildirim in Antalya, 2012 ihren Vergewaltiger köpft und mit dem Kopf auf den Dorfplatz geht. Zuletzt begegnet das Publikum dem Tatbestand von Nils D. aus Dinslaken Deutschland, 2016 der nach Syrien gezogen ist, um dort dem IS beizutreten.
Als komplexe Vorgabe werden die drei Fälle mit weiteren Elementen aus der Erinnerungs- bzw. Gedächtniskultur vermischt. Es finden sich Zwischenstops aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Bewohner aus der Umgebung der KZs mit der dort stattfindenden Massenvernichtung konfrontiert wurden. Dazwischen kommen auch Hinweise auf die Leichen von den flüchtenden Massen auf dem Mittelmeerboden. Ökonomisch werde Tatbestände ausgeblendet und nach Bedarf wieder eingeblendet, den Filter bildet bei dem ganzen YouTube, das als Medium jedoch in der Repräsentierbarkeit auf der Bühne etwas zu kurz tritt. Lediglich die gesprochenen Kommentare unter den Videos von extremer Gewalt geben einen etwas beliebig wirkenden Aufschluss. Wir haben als Gesellschaft auch schon eine Abhärtung durch die digitale Überrepräsentation von Gewalt erfahren.
Hola, hello, servus!
Falls einige von euch mich noch nicht kennen: Ich heiße Pablo, bin Dramatiker und komme aus Chile. Ich bin leider heute ein bisserl traurig, da ich euch „Auf Wiedersehen“ sagen muss. Ich werde in 10 Tagen zurück nach Chile abfahren!
In den letzten vier Monaten bin ich als Blogger und Editor bei Neuem Wiener Theater tätig gewesen. Während dieser Zeit habe ich mir viele coole Aufführungen in verschiedenen Wiener Theatern angeschaut und meine Eindrücke darüber in diesem Blog geteilt. Ich hatte viel Spaß dabei und habe auch viele nette Leute kennengelernt.
Es war sehr schön, im Februar mit vielen von euch gemeinsam ins Theater gegangen zu sein. Das hatte ich nie zuvor gemacht und habe es voll geil gefunden. „Heimwärts“ z.B. war ein echt lustiges und gescheites Stück. Ich werde auch unsere offenen Theater Stammtische vermissen: einfach gemütlich im Café sitzen und über Theater erzählen.
Ich werde versuchen, aus der Ferne den Verein zu unterstützen, besonders bei der Content- und Theaterbesuchsplannung. Aber ich werde natürlich keine Premieren besuchen und darüber schreiben können. Wenn ihr euch im Verein engagiert wollt, meldet euch bei hello@neuewiener.at an!
Also hasta la próxima! Auf Wiedersehen! Und mach’s gut!
Cristina Ablinger und Denise Teipel sind EMIGRANTEN. Warum das nicht so komisch ist, wie es klingt, erzählen Sie im Interview.
So kann ein Montag ausklingen: Clara Gallistl und Pablo San Martín von Neue Wiener treffen die beiden Schauspielerinnen Cristina Ablinger und Denise Teipel im Aida auf der Wiedner Hauptstraße – kurz vor Ladenschluss. Bei Sachertorte und Melange erzählt das Dreamteam von ihrer aktuellen Theatertournee und, warum der Stücktitel eben nicht gegendert ist.
Neues Wiener Theater
Warum habt ihr das Stück “Emigranten” ausgewählt?
Cristina Ablinger
Unsere Regisseurin, Agnieszka Salamon, ist mit dem Stück auf uns zugekommen. Sie hatte bereits seit Längerem geplant, dieses Stück, das eigentlich für zwei Männer konzipiert ist, mit zwei Frauen zu besetzen. Sie war der Ansicht, dass es im Kontext vollkommen gleichgültig ist, ob die Figuren männlich oder weiblich sind. Denise und ich haben das Stück gelesen und uns sofort verliebt.
Denise Teipel
Es war eines dieser Stücke, die man sofort verschlingt. Ich habe beim ersten Lesen geweint und gelacht und das was für mich ein Zeichen, dass irgendetwas dran lebt. Im ersten Gespräch war klar, es hat uns beide voll mitgerissen. Und somit war entschieden, dass wir “Emigranten” machen wollen. Dazu kommt, dass wir immer schon mal ein Stück machen wollten, in dem wir Männer spielen.
Neues Wiener Theater
Was ist das Besondere an dem Zugang, wenn man als Frau Männer spielt?
Denise Teipel
Was den beiden Figuren im Stück geschieht, ist unabhängig von Geschlecht. Dazu kommen gewisse geschlechtsspezifische Aufgaben, die die Figuren erfüllen beziehungsweise denken, erfüllen zu müssen. Die Figuren müssen Geld verdienen, für die Familie sorgen, das Geld nachhause schicken. Sie vermissen Ihre Familie im Heimatland. Ich bin beim Lesen ganz erstaunt gewesen, wie egal Geschlecht da eigentlich ist.
Neues Wiener Theater
Trotzdem habt ihr entschieden, im Dirndl-Kleid zu spielen.
Denise Teipel
Das war eine bewusste Entscheidung von Agnieszka. Anfangs war das ein Schock für uns. Bei der zweiten Probe sagte sie plötzlich: “Mädels, wir spielen es in Dirndl.” Wir dachten zuerst, wir würden mit großen Anzügen spielen. Aber wir machen genau das Gegenteil: weiblich angezogen, mit High-Heels, Locken und Dirndl. Das macht eine ganz besondere Spannung aus. Im Text steckt auch viel männliches sexy bragging. Das kommt natürlich ganz anders, wenn man das im Dirndl macht.
Cristina Ablinger
An Text und Titel haben wir nichts verändert. Nur etwas gekürzt. Das war dem Autor auch sehr wichtig.
Neues Wiener Theater
Die Premiere war in Wien im brick 5. Jetzt spielt ihr in Salzburg und St. Pölten. Wie führt euch der Weg dorthin?
Denise Teipel
Wir freuen uns sehr, dass wir das Stück aus Wien rausbringen dürfen. Zu Salzburg und St. Pölten haben wir eine hohe Affinität. Ich habe an der FH St. Pölten studiert bevor ich Schauspielerin geworden bin und tatsächlich 1,5 Jahre in der Kremserstraße gelebt. Da freut man sich natürlich sehr, wieder zurück zu kommen
Cristina Ablinger
Und Salzburg ist meine Heimatstadt. Ich bin dort aufgewachsen, aber lustigerweise bis vor Kurzem nie als Profi auf einer Salzburger Bühne gestanden. Und ich finde, das Stück passt genau jetzt super dorthin.
Neues Wiener Theater
Dann viel Spaß! Und vielen Dank!
Three young people stand aligned facing the audience under bright lights. They are here today to tell us their stories. Not to entertain us but to defend themselves. Once they finish, we will be asked to decide who is guilty casting our votes by a show of hands.