Transgender-OP im Großstadtbrunnen.

“Ein Körper für Jetzt und Heute” von Mehdi Moradpour am Schauspielhaus Wien

Fett im Raum steht ein Springbrunnen in Markusplatzgröße mit Graffiti gegen Gentrifizierung. Wenig später der zweite Eindruck: Es stinkt ein bisserl. Das Wasser auf der Bühne. Zino Wey hat Mehdi Moradpour’s Text “Ein Körper für Jetzt und Heute” auf die Bühne des Schauspielhauses gesetzt. Wenn das ein Kampf war, hat der Brunnen über den Text gewonnen. Leider.

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Franz Tunda auf der Flucht vor sich selbst – Felix Hafner inszeniert Joseph Roth

Zehn Jahre vor Roth’s weltbewegendem Signature-Roman „Die Kapuzinergruft“ erscheint „Die Flucht ohne Ende„. Beide Texte erzählen von einem männlichen österreichischen Staatsbürger auf der Suche nach sich selbst. Felix Hafner setzt seinen Franz Tunda erst mal in eine Kiste – zum Wohl des Protagonisten.

Die Flucht ohne Ende, Tobias Artner c Alexi Pelekanos.jpg Weiterlesen

Showgirls – Ich bin etwas jähzornig, weißt du. Das ist nur meine Unsicherheit. Du bist ein liebes Äffchen. Ein Interview mit Julia Gräfner und Cora Frost

Die Sonne scheint in Graz auf das Schauspielhaus, an dem gerade die Endproben der “Showgirls” beginnen. Aus 50.000 Worten selbsterstelltem Material ist ein intensiver Abend über Leiden, Körperlichkeit, Weiblichkeit und Selbstbestimmung entstanden.
Ein Gespräch mit Schauspielerin Julia Gräfner und Regisseurin Cora Frost.
Premiere: 25. April 2017 I 20:30 I Haus Drei, Schauspielhaus Graz.
weitere Termine: Mai 5, 17, 31. I Juni 12., 17.

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guilty pleasure – Phantom der Oper

SILVESTER SPECIAL – Phantom der Oper im Her Majesty’s Theater London.

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Beatrice Frasl ist nicht nur eine langjährige und gute Freundin, sondern auch eine der lustigsten Gesprächspartner_innen, wenn es um das Thema Gender geht. Ihr Forschungsschwerpunkt ist Gender und Disney – was mehr muss man sagen? Da sie sich gerade zum Dissertieren in London aufhält, habe ich sie gebeten, sich ein Bühnenstück anzusehen und darüber zu schreiben. Aus welchen Gründen auch immer, Beatrice hat sich das Phantom der Oper ausgesucht. Hier ihre geistreiche, kurzweilige Reflexion zum Gesehenen!

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Für eine neue Form des theatralen Realismus

Ich treffe Stefan Wipplinger im charmanten Wiener Café-Restaurant “G’schamster Diener”. Wir essen gemütlich zu Abend bevor wir uns zu Fuß auf den Weg über den Margaretenpark ins Volx/Margareten machen um uns Wipplingers Wien-Erstling “Hose Fahrrad Frau” (inszeniert von Holle Münster – Prinzip Gonzo, dargestellt von Studierenden des Reinhardt-Seminars) anzusehen. Immer wieder unterbrochen vom sehr österreichischen Charm des Oberkellners entwickelt Wipplinger eine Forderung: Für eine neue Form des theatralen Realismus.

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Rüstzeug Hamlet

“DIE HAMLETMASCHINE”, Christina Tscharyiski, Burgtheater Wien – Vestibül.
14.11.2015
Von Clara Gallistl


  • Ich bin im Kunsthistorischen Museum am Burgring. So sieht das hier aus. Schön. Eine elegante, dunkelgrüne Wand, an der das Objekt fehlt. Nur die Beschreibung des Kunstwerks ist vorhanden. Davor eine Absperrkordel, auch elegant. Daneben ein Sockel, auf dem eine bronzefarbene Rüstung liegt, also der Schulterteil davon. Ein Schulterpanzer.
  • Ignaz Kirchner steht auf und haut alles um. Ich hab mich geschreckt, muss lachen. Der Kirchner. Dieses gebildete, frei gespielte Kind im alten Mann. Er zeigt Europa den Mittelfinger. Leider sehe ich ihn schlecht, wenn er auf der Bühne sitzt. Ich sitze in der fünften Reihe, die Bühne ist nicht erhöht.
  • Jaja, der Kirchner kann mir alles erzählen. Ich lächle in mich hinein. Er ist in jedem Satz, jeder Bewegung, in jedem Moment seines Spiels so anwesend, dass es mich hineinzieht in seine Performance. Ich sitz dann nicht mehr im Publikum. Ich bin dann nicht mehr eine Person, die zuschaut. Ich bin dann nur mehr Schauen und die Wahrnehmung, die ich hab von dem, was ich seh.

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