Sammelband „Flucht Migration Theater“: Dokumente und Positionen aus Kunst und Forschung

Die Universität als Ort aktueller gesellschaftlicher Debatte aktivieren: Das war das Ziel der Ringvorlesung zum Thema Flucht, Migration, Theater im Wintersemester 2015 an der Uni Wien. Anderthalb Jahre später ist nun ein Buch erschienen mit Beiträgen aus Wissenschaft und Kunst, das diese Woche im brut vorgestellt wurde.

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Angesichts der Opferung

Thomas Köck Portrait landscape
Teil 1 der Reihe „Thomas Köck und Wien. Der Anfang“ [interview]
Wien, 27. Februar 2016
Felix Hafner inszeniert die österreichische Erstauffühung des bereits preisgekrönten Textes “Isabelle H. (geopfert wird immer)” von Thomas Köck. Im Rahmen des Festivals “Neues Wiener Volkstheater” (10.-13. März 2016, Festival entlang der U-Bahnlinie U4) findet die Premiere am 12. März im Volx/Margareten statt. Ich habe Felix Hafner am Beginn der zweiten Probewoche im Topkino zu einem Gespräch getroffen.

Clara Gallistl: Lieber Felix! Thomas Köck ist erst 29, hat das Studium Szenisches Schreiben noch nicht abgeschlossen und wurde bereits mit einigen wichtigen Autor_innen-Preisen ausgezeichnet. Ich freue mich sehr auf den Text und auf die Premiere! Wie laufen die Proben? Weiterlesen

Migration als flaues Gefühl im Magen

doyçlender: almanci von Aslı Kişlal (Text: Emre Akal)
Werk X (Koproduktion mit diverCITYLAB und daskunst)
18. Jänner 2016.

Von Clara Gallistl


Gmiatlich: Während wir (das Publikum) den Raum betreten, sind Alev Irmak und Daniel Keberle bereits auf der Bühne. Sie begrüßen Teile des Publikums namentlich, das wirkt sehr heimelig. Ich fühl mich direkt wohl.
Eine körnige, graublaue Projektion an der hinteren Wand. Vorne rechts ein alter Röhrenfernseher, der ein Video abspielt: aus den 70ern? Eine blonde Frau. Ein Konzert? Tonlos. Ich erinnere mich an Can Sungus Videoinstallation “Replaying Home” (2013), die letztes Jahr beim paraflows festival zum Thema ‚Digital Migration‘ ausgestellt wurde.
Jetzt starrt mich Tim Breyvogel aus einem überbelichteten Video an.

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Protokolle der Wut

DIE PROTOKOLLE VON TOULOUSE. Valentin Werner. Werk X – Eldorado, Wien.
 
27.11.2015
Von Clara Gallistl
 

Holzbarrikaden und ein schwarz gekleideter Mann. Laute Schüsse von hinten. Sie erschrecken mich nur kurz, weil ich gar nicht darauf vorbereitet war. Ich bin angespannt aufgrund des anhaltenden Schießens.

Vor den Barrikaden betet der Mann (Mohammed) nach islamischem Ritus. Ist er drinnen oder draußen? Hinter der Barrikade erscheint eine Person mit schwarzer Sturmhaube und Gewehr.

Ist er Terrorist oder Polizist?

Ich bin erleichtert, weil die Schüsse und die Präsenz des Gewehrs jetzt vorbei sind und ich mir endlich die Person, den Menschen vor mir und vor den Barrikaden (schön! von Sarah Sassen #sarahsassenfangirl) ansehen kann.

Wie er “Allah” ausspricht. So glottal. Da krieg ich Gänsehaut. Es ist keine oarge Gänsehaut. Nicht unbedingt. Diese physische Reaktion hatte ich auch bei einem Kunstwerk in der Political Populism-Ausstellung in der Kunsthalle Wien und wenn Zabi, ein Freund aus Afghanistan, mit mir in Dari spricht. Es ist so ein körperverbundenes Sprechen, oder wie soll man da sagen?

Wieso sprechen/spielen die beiden so statisch? Ich dreh mich kurz um, mit der Vermutung, dass hinter mir ein Teleprompter hängt, von dem abgelesen wird. Obwohl es Polizeiprotokolle sind, die gesprochen werden, habe ich den Eindruck, der Text ist unauthentisch.

Der Polizist nennt die Radikalisierung des Attentäters wertneutral “intellektuellen Werdegang”. Find ich gut. Im Anliegen, etwas verstehen zu wollen, wertneutral an eine Sache herangehen.

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KOLOMAN (a parlor play)

Hoi mitnand!

(as the swiss part of my family would say)

One week in rehearsing and another one to go, I’m writing to you from the front line of battle. I love it here! The weather is nice – finally cooling down after the great heat wave that quick-froze our brains in Vienna this summer -, having lunch at the Museumsquarter where we rehearse is relaxing and – most importantly – the bits and pieces of my first theatre production are starting to assemble just in the way I hoped they would.

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