A Story of O. & I.

Die Wiederbegegnung von Iphigenie und Orest, ihrem ebenfalls vom Schicksal erschütterten Bruder, ist für das Werk X von Lise Lendais und ihrem Ensemble als apokalyptische Fabel in ein konzentriertes Ton- und Bildgemälde phantasiert worden. Der Verstehensprozess wurde dabei bewusst verhindert. Das Ergebnis ist sperrig und schön.
„A Story of O. & I.“ von Lise Lendais und Bühnenspiel in Kooperation mit Werk X und fiveseasons/Frühlingsresidenz. Wien, 3. April 2016 [rezension]

weitere Termine: 5., 6., 11., 12. und 13. April 2016 – Beginn je 20 Uhr

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Migration als flaues Gefühl im Magen

doyçlender: almanci von Aslı Kişlal (Text: Emre Akal)
Werk X (Koproduktion mit diverCITYLAB und daskunst)
18. Jänner 2016.

Von Clara Gallistl


Gmiatlich: Während wir (das Publikum) den Raum betreten, sind Alev Irmak und Daniel Keberle bereits auf der Bühne. Sie begrüßen Teile des Publikums namentlich, das wirkt sehr heimelig. Ich fühl mich direkt wohl.
Eine körnige, graublaue Projektion an der hinteren Wand. Vorne rechts ein alter Röhrenfernseher, der ein Video abspielt: aus den 70ern? Eine blonde Frau. Ein Konzert? Tonlos. Ich erinnere mich an Can Sungus Videoinstallation “Replaying Home” (2013), die letztes Jahr beim paraflows festival zum Thema ‚Digital Migration‘ ausgestellt wurde.
Jetzt starrt mich Tim Breyvogel aus einem überbelichteten Video an.

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Protokolle der Wut

DIE PROTOKOLLE VON TOULOUSE. Valentin Werner. Werk X – Eldorado, Wien.
 
27.11.2015
Von Clara Gallistl
 

Holzbarrikaden und ein schwarz gekleideter Mann. Laute Schüsse von hinten. Sie erschrecken mich nur kurz, weil ich gar nicht darauf vorbereitet war. Ich bin angespannt aufgrund des anhaltenden Schießens.

Vor den Barrikaden betet der Mann (Mohammed) nach islamischem Ritus. Ist er drinnen oder draußen? Hinter der Barrikade erscheint eine Person mit schwarzer Sturmhaube und Gewehr.

Ist er Terrorist oder Polizist?

Ich bin erleichtert, weil die Schüsse und die Präsenz des Gewehrs jetzt vorbei sind und ich mir endlich die Person, den Menschen vor mir und vor den Barrikaden (schön! von Sarah Sassen #sarahsassenfangirl) ansehen kann.

Wie er “Allah” ausspricht. So glottal. Da krieg ich Gänsehaut. Es ist keine oarge Gänsehaut. Nicht unbedingt. Diese physische Reaktion hatte ich auch bei einem Kunstwerk in der Political Populism-Ausstellung in der Kunsthalle Wien und wenn Zabi, ein Freund aus Afghanistan, mit mir in Dari spricht. Es ist so ein körperverbundenes Sprechen, oder wie soll man da sagen?

Wieso sprechen/spielen die beiden so statisch? Ich dreh mich kurz um, mit der Vermutung, dass hinter mir ein Teleprompter hängt, von dem abgelesen wird. Obwohl es Polizeiprotokolle sind, die gesprochen werden, habe ich den Eindruck, der Text ist unauthentisch.

Der Polizist nennt die Radikalisierung des Attentäters wertneutral “intellektuellen Werdegang”. Find ich gut. Im Anliegen, etwas verstehen zu wollen, wertneutral an eine Sache herangehen.

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